Sprachstörungen ...

Sprachrachstörungen werden oft mit Sprechstörungen gleichgesetzt. Eine Sprachstörung ist eine Störung der gedanklichen Erzeugung von Sprache. Sprachaufbau und Sprachvermögen sind beeinträchtigt. Im Gegensatz dazu ist bei der Sprechstörung primär die motorische Erzeugung von Lauten betroffen. Sprach- und Sprechstörung können auch gemeinsam auftreten.

Es sind folgende Arten von Sprachstörungen zu unterscheiden:
  • Sprachentwicklungsstörung
  • Sprachabbau und -verlustsyndrome wie Aphasie, Sprachabbau bei Demenz
  • Störungen der Schriftsprache: Dyslexie und Dysgraphie
  • Störungen des Sprachverständnisses

SPRACHSTÖRUNGEN BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN
1. Störungen der Sprachentwicklung (SES): Sprachentwicklungsstörung /-verzögerung
Darunter versteht man eine nicht altersentsprechende Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes. Die Symptome einer SES werden auf linguistischen Ebenen beschrieben, wobei hier mehrere betroffen sein können. Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen:
  1. phonetisch-phonologische Störung (Dyslalie)
  2. dysgrammatische Störung (Dysgrammatismus)
  3. Störungen auf der semantischen Ebene (lexikalische Störung)

2. Störungen der Lautverbindung: Phonologische Störung
Eine Phonologische Störung wird bezeichnet als Störungen bei der Verwendung von Sprachlauten: Die einzelnen Laute (siehe Sprechstörungen: Artikulation) können zwar isoliert korrekt gebildet, aber nicht gemäß den sprachsystematischen Regeln angewandt bzw. kombiniert werden. Häufig werden sie ausgelassen oder durch andere Laute ersetzt. Oft tritt eine Mischform beider Störungen auf: Die phonetisch-phonologische Störung (Dyslalie).

3. Störungen beim Aufbau des Wortschatzes
Störungen beim Aufbau des Wortschatzes können sowohl den Wortschatzumfang als auch die Merkmale der einzelnen Wörter betreffen. Eine Einschränkung des Wortschatzumfanges ist erkennbar, wenn notwendige Wörter zur Kommunikation fehlen oder unspezifische, nicht genaue Wörter geäußert werden. Oft zeigen sich diese Probleme auch in den Wortfamilien. Solche Störungen bezeichnet man als "lexikalische Störungen" genannt.

4. Störungen der Grammatik
Störungen der Grammatik können Wörter und Sätze betreffen. Beispielsweise wenn Vorsilben oder Endungen an Wörtern fehlen oder nicht korrekt sind, wenn Sätze nicht korrekt gebildet werden können bzw. es zu Auslassungen oder Umstellungen innerhalb eines Satzes kommt Solche Störungen Solche Störungen bezeichnet man als morphologisch-syntaktische Störungen.

5. Pragmatische Störungen
Pragmatische Störungen betreffen die Fähigkeiten des Menschen, in Kontakt mit seiner Umwelt zu treten. Darunter versteht man die zwischenmenschlichen Regeln eines Gesprächs (z.B. Ausreden lassen im Dialog), Blick- oder Augenkontakt, Tonhöhe/Modulationen im Gespräch, Gestik/Mimik, körpersprachliche Elemente, etc.

SPRACHSTÖRUNGEN BEI ERWACHSENEN
Störungen der Sprache bei Erwachsenen können unterschiedliche Ursachen haben. Immer jedoch liegt eine Störung der zentralen Bereiche des Sprachzentrums (i.d.R. im linken Teil) im Gehirn vor.

Ursachen hierfür können ein Schlaganfall, eine Hirnblutung, unfallbedingte Hirnverletzungen, Hirntumore, entzündliche Erkrankungen des Gehirns und auch Hirnabbauprozesse sein.

Eine zentrale Sprachstörung wird als Aphasie oder Sprechapraxie bezeichnet.

1. Syndrom der Aphasie
Die sprachlichen Fähigkeiten des Menschen sind betroffen; diese umfasst vier Leistungsbereiche:
  • Verstehen
  • Sprechen
  • Lesen
  • Schreiben
Es zeigen sich darin folgende Defiziten:
  • Wortfindungsstörungen
  • Abweichungen in der Lautstruktur der Wörter (von einfachem sich versprechen bis hin zu Wortneuschöpfungen)
  • Störungen in der Fähigkeit, Sätze zu bauen
  • Störungen im Verstehen von Sprache
  • Störungen im Lesen, v.a im Verstehen von Leseleistungen
  • Störungen im Schreiben
  • Störungen der Kommunikation
Erklärungen:
  • Störungen der Lautebene im Wort
    Störungen auf der Lautebene im Wort werden als "Phonematische Paraphasien" bezeichnet. Dabei können einzelne oder mehrere Laute ausgelassen oder auch hinzugefügt werden. Diese Veränderungen können soweit gehen, dass das Wort nicht mehr verstanden werden kann.

  • Störungen im Wortschatz
    Störungen der Wortschatzebene werden als "Semantische Paraphasien" bezeichnet. Innerhalb der Kommunikation werden falsche Wörter oder beliebig andere Wörter verwendet, häufig kommt es auch zu Störungen in der Wortfindung bzw. dem Abruf der richtigen Wörter.

  • Störungen der grammatikalischen Fährigkeiten Dies äußert sich in der starken Vereinfachung der Satzstruktur auf oder in einer Umstellung der Satzbau; Satzteile werden verschachtelt, Satzglieder mehrfach wiederholt. Es kommt zu Auslassung oder zur Benutzung falscher Artikel.

  • Störung in der Sprachverarbeitung
    Das Gesagte/Gelesene wird nicht verstanden, die Bedeutung von Wörtern fehlt, das Verstehen von Sprache betroffen.

2. Syndrom der Sprechapraxie
Als Sprechapraxie wird eine Störung der Handlungsplanung beim Sprechen bezeichnet; als Störung der Programmierung von Sprechbewegungen. D.h. die geplante Sprechbewegung kann nicht ausgeführt werden.

Eine Sprechapraxie zeigt sich in 3 Ebenen:
  • Es liegen Lautentstellungen, Lautfehler und/oder entstellte Lautfehlern vor
  • Es zeigt sich ein silbisches/skandierendes Sprechen, Sprechpausen, Dehnungen und Iterationen (Wiederholung von Laut-/Wortteilen)
  • Es kommt zu Suchbewegungen der Artikulationsorgane, zur Sprechanstrengung und zu Initiierungsstörungen (Schwierigkeiten den ersten Laut eines Wortes zu sprechen)

Dr. Thomas Schöbinger
M.A. phil. & SoL.

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