Stimmstörungen ...

Die Erzeugung von Stimme ist ein Zusammenwirken von Atmung, dem Schwingen der Stimmlippen im Kehlkopf und der präzisen Laut- und Tonbildung. Vergleichbar ist die menschliche Stimme mit dem Klingen einer Gitarre: Hier muss der Korpus der Gitarre, die Saiten in der richtigen Stellung und Spannung, und die Spiel- und Grifftechnik der Spielers zusammenwirken, damit Töne, eine Melodie einstehen kann.

Menschliche Stimmstörungen können organische, funktionelle oder psychische Ursachen haben.

STIMMSTÖRUNGEN BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN
Diese zeigen sich oft durch länger anhaltende Heiserkeit (ohne akuten Infekt); die Stimme ist wenig belastbar, manchmal rau und gepresst oder kraftlos und hauchig, sie kann sogar versagen.

Form einer Stimmstörung:

1. Organische Stimmstörung
Treten bereits im frühem Kindes- bzw. Säuglingsalter z.B. aufgrund von Fehlbildungen des Kehlkopfes auf, bei Vorschul- bzw. Schulkindern auch als sekundäre organische Veränderungen ("Schreiknötchen"), als Folge entzündlicher Erkrankungen (chronische Kehlkopfentzündungen) oder als Folge von Verletzungen im Kehlkopfbereich (durch Unfälle, Operationen etc).

2. Funktionelle Stimmstörung
Durch die "falsche Funktion der Stimmnutzung" zeigen Unregelmäßigkeiten im Schwingungs- bzw. Schließungsverhalten der Stimmlippen, die eine Veränderung im Stimmklang (Heiserkeit) und in der Stimmleistung (Stimme bricht z.T. weg, ermüdet schnell). Diese können zu sekundären organischen Veränderungen führen.

Ursachen können ein zu intensiver und falscher Stimmeinsatz, ungünstige Körperhaltung, ungünstige Stimmmodelle (Eltern, Bezugspersonen mit auffälligen Stimmen), ungünstige Umweltbedingungen, familiär bedingte Stimmschwäche, Hörstörungen (beim Kind selbst oder bei Eltern / Bezugspersonen, so dass immer laut gesprochen werden muss) sein. Es wird zwischen hyper- und hypofunktionellen Stimmstörungen [hier mit Hyperlink? zu u.g. Texten]unterschieden, je nachdem, ob mit zu viel oder zu wenig Spannung gesprochen wird.

Hyperfunktionelle Stimmstörung
Die Stimme klingt heiser, rau, gepresst, teilweise ohne Ton, angestrengt und ermüdet bei Belastung schnell. Die Stimme ist meist zu tief, kann aber auch erhöht sein. Es fällt eine Schnappatmung beim Sprechen auf. Die Körperspannung ist meist erhöht – vorwiegend im Schulter-Nacken-Kiefer-Bereich bestehen An- bzw. Verspannungen. Meist sprechen die Kinder zu schnell, z. T. undeutlich und eher laut.

Hypofunktionelle Stimmstörung
Bei der hypofunktionellen Stimmstörung ist die Stimme heiser, kraftlos und stark behaucht. Beim Sprechen tritt Kurzatmigkeit auf, die Artikulation ist meist undeutlich und es wird oft leise gesprochen. Die Körperspannung ist eher schlaff. Es kann zusätzlich eine Myofunktionelle Störung bestehen und eventuell ein nasaler Stimmklang.

Näseln (Rhinophonie)
Näseln kann organisch (z.B. bei Lähmungen des Gaumensegels) oder funktionell bedingt sein kann; das Gaumensegel dichtet nicht vollständig ab. Es wird zwischen offenem Näseln (es entweicht zu viel Luft durch die Nase,), geschlossenem Näseln (es entweicht keine Luft durch die Nase) und der gemischten Form unterschieden.

Psychogene Stimmstörungen
Treten bei Kindern und Jugendlichen als psychogene Stimmstörungen meist in Kombination mit anderen psychischen Störungen (z.B. Magersucht oder Bulimie) oder als psychogene Aphonie nach einem traumatischen Erlebnis oder Schock auf.

STIMMSTÖRUNGEN BEI ERWACHSENEN
Stimmstörungen bei Erwachsenen können funktionelle oder organische Ursachen haben. Sie äußern sich in länger bestehender Heiserkeit (ohne akuten Infekt), eingeschränkter Belastbarkeit der Stimme, Schmerzen und/oder einem Fremdkörpergefühl im Kehlkopf.

Form einer Stimmstörung:

1. Organische Stimmstörung
Bezeichnet Erkrankungen, bei denen es zu einer organischen Veränderung im Bereich des Stimmapparates kommt (Knötchen, Entzündungen, Ödeme, Veränderungen durch Unfälle oder Operationen, Lähmungen, Teilentfernungen der Stimmlippen oder Kehlkopfentfernungen). Die Stimme ist meist stark heiser, kann teilweise oder ganz versagen, es kann zu starker Behauchung, je nach Ursache und Ausmaß der Störung kommen.

2. Funktionelle Stimmstörung
Die "Funktion" der Stimmerzeugung ist gestört; funktionelle Stimmstörungen sind die häufigsten Stimmstörungen und kommen meist bei Berufssprechern (Lehrern, Erziehern, Referenten etc.) vor. Aufgrund von falschem oder ungünstigem Stimmgebrauch, durch Überlastung (zu viel und zu lautes Sprechen), Umweltbelastungen (trockene Räume, Staub), psychische Belastungen (Stress, Überlastung, Konflikte) können Stimmstörungen entstehen. Werden funktionelle Stimmstörungen nicht behandelt, kann eine sekundär organische Stimmstörung (Knötchen) auftreten. Es wird zwischen hyper- und hypofunktionellen Stimmstörungen [hier mit Hyperlink? zu u.g. Texten]unterschieden,

Hyper- und hypofunktionelle Störung
Bei einer hyperfunktionellen Stimmstörung ist die Stimme heiser, rau, gepresst, angestrengt und ermüdet bei Belastung. Sie kann zu tief, aber auch zu hoch sein. Die Körperspannung ist meist erhöht (zumindest im Schulter-Nacken-Kiefer-Bereich), es besteht eine Hochatmung und beim Sprechen meist eine Schnappatmung. Die hypofunktionelle Stimmstörung zeichnet sich durch eine heisere, schwache und behauchte Stimme aus. Die Artikulation ist meist undeutlich. Die Körperspannung ist unterspannt und die Atmung eher flach.

Psychogene Stimmstörung
Eine psychogene Stimmstörung kann sich in ihrem Klangbild hyper- oder hypofunktionell äußern. Ursache der Stimmveränderung sind psychische Probleme oder Störungen.

Stimmstörungen durch hormonelle Einflüsse
Durch hormonelle Einflüsse (Anabolika, Pille) können Stimmstörungen entstehen, die meist Veränderungen der Stimmhöhe und der Leistungsfähigkeit der Stimme zur Folge haben.

Mutationsstimmstörungen
Stimmstörungen bei Jungen nach Abschluss der Pubertät (Mutationsstimmstörungen: die hohe Kinderstimme wird beibehalten, obwohl die anatomischen Gegebenheiten für eine Männerstimme gegeben sind). Die Stimme ist sehr hoch, bei stark eingeschränktem Stimmumfang und wird bei längerem Gebrauch heiser, rau, angestrengt und wenig belastbar.

Dysodie
Auch die Singstimme kann gestört sein (Dysodie). Hierbei kann es durch falsche Singtechnik oder Überforderung zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit und der Klangqualität kommen.

Rhinophonie
Wenn der Stimmklang nasal ist, sprich man von einer Rhinophonie. Hierbei treten in der Folge auch Veränderungen der Artikulation (Rhinolalien) auf.

Dr. Thomas Schöbinger
M.A. phil. & SoL.

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